Bei einem aktuellen Projekt geht es um ein Sechsfamilienhaus in dichter Münsteraner Bebauung. Das Gebäude ist beidseitig angebaut – vor und hinter dem Haus gibt es keinen geeigneten Aufstellort für eine klassische Außeneinheit.
Ist eine Wärmepumpe damit ausgeschlossen? Nein. Aber die Planung wird anspruchsvoller.
Möglichkeit 1: Wärmepumpe auf dem Dach
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kann grundsätzlich auch auf einer geeigneten Dachkonstruktion aufgestellt werden.
Bei einem Satteldach ist das allerdings konstruktiv aufwendig. Geprüft werden müssen unter anderem Statik und Windlasten, Schallübertragung, Wartungszugang, Absturzsicherung sowie die Leitungsführung zum Heizungsraum.
Möglichkeit 2: Luft-Wasser-Wärmepumpe im Gebäude
Eine weitere Variante ist eine innen aufgestellte Luft-Wasser-Wärmepumpe. Solche Geräte gibt es auch für die Modernisierung. Die Außenluft wird dabei über größere Luftöffnungen beziehungsweise Luftkanäle angesaugt und wieder ausgeblasen. Gerade bei enger Bebauung kann das interessant sein.
Entscheidend sind ausreichend Platz und Luftvolumenstrom sowie ein guter Schall- und Körperschallschutz. Auch der Bundesverband Wärmepumpe weist bei Innenaufstellungen besonders auf Luftführung und Körperschallentkopplung hin.
Möglichkeit 3: PVT als Wärmequelle
Interessant könnte außerdem eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit PVT-Kollektoren sein. Diese erzeugen auf dem Dach Strom und entziehen gleichzeitig Wärme.
Bestimmte PVT-Systeme nutzen dabei nicht nur Sonneneinstrahlung, sondern auch Wärme aus der Umgebungsluft. Verschattung ist deshalb für die Wärmegewinnung nicht automatisch ein Ausschlusskriterium – sie reduziert allerdings den photovoltaischen Ertrag.
Bei einem Sechsfamilienhaus muss jedoch genau geprüft werden, ob Dachfläche und Wärmequellenleistung tatsächlich ausreichen.
Unser Zwischenfazit
Auch ein dicht bebautes Mehrfamilienhaus ohne geeigneten Aufstellplatz im Garten kann grundsätzlich für eine Wärmepumpe geeignet sein.
Welche Lösung sinnvoll ist, lässt sich aber erst beurteilen, wenn unter anderem Heizlast, notwendige Vorlauftemperaturen, Dachfläche, Dachnutzung, Statik und Schallschutz bekannt sind.
Genau deshalb lohnt sich bei solchen Gebäuden zunächst eine technische Variantenuntersuchung – bevor eine bestimmte Wärmepumpe ausgewählt wird.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesverband Wärmepumpe: Praxisleitfaden für Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern BWP | waermepumpe.de